Kontrastive Phonetik 3
Kontrastive Analyse
Kontrastive Analyse
Kontrastive Analyse
Vorgehen
Beispiel Türkisch (von U. Hirschfeld/K. Reinke)
Hören wir uns erstmal ein bisschen Türkisch an…
Intonation/Sprechmelodie
Intonation/Sprechmelodie
Rhythmus
Rhythmus
Wortakzent
Wortakzent
Silbenstruktur
Fokusmarkierung
Vokale
Vergleich der Vokalsysteme
Besonderheiten des Deutschen gegenüber dem Türkischen
Besonderheiten des Türkischen gegenüber dem Deutschen
Konsonanten
Besonderheiten des Deutschen gegenüber dem Türkischen
Besonderheiten des Türkischen gegenüber dem Deutschen
Aussprache und Schrift
Aussprache und Schrift
Schrift
Hören wir uns nun einen türkischen Lerner an…
2.03M

Kontrastive Phonetik 3 (1)

1. Kontrastive Phonetik 3

Kontrastive Analyse

2. Kontrastive Analyse

Was wird verglichen?
-> Gewählte Ausgangssprache wird mit dem Deutschen verglichen
1. Suprasegmentale Ebene
• Unterschiede in der Intonation? Oder handelt es sich bei der
Ausgangssprache um eine Tonsprache?
• Rhythmus: Akzent- oder silbenzählend?
• Silbenstruktur: Welche Beschränkungen bestehen in An- und
Auslaut? Silbenstrukturprozesse wie Auslautverhärtung und RVokalisierung?
• Akzentuierung: Regeln des Wortakzents; gibt es Fokusakzentuierung?

3. Kontrastive Analyse

2. Segmentale Ebene
• Vokalsystem: welche distinktiven Merkmale? Z.B.: gibt es gerundete
Vorderzungenvokale? Ist die Vokaldauer distinktiv? Welche
Öffnungsgrade? Wie viele Vokalphoneme und welche? Gibt es
Reduktionsvokale?
• Konsonantensystem: welche distinktiven Merkmale? Z.B.: Aspiration
von Plosiven? Welche Artikulationsorte? Artikulationsarten? Ist
Konsonantendauer distinktiv? Wie viele Konsonantenphoneme, und
welche?

4. Kontrastive Analyse

3. Schriftsystem
• Falls die gewählte Sprache ein phonembasiertes Schriftsystem besitzt
(also Alphabet- oder Konsonantenschrift), Vergleich der GraphemPhonem-Beziehungen

5. Vorgehen

1. Literatur zur gewählten Sprache finden (ein guter Anfang ist z.B.
Phonetik International, das im Intranet der Uni runterladbar ist; zu
einigen Sprachen finden sich auch Infos in Hirschfeld/Reinke (2016))
2. Die gewählte Sprache in den gerade aufgezählten Aspekten mit dem
Deutschen vergleichen, Gemeinsamkeiten bzw Unterschiede
beschreiben.
3. Auf Basis der Unterschiede Prognosen abgeben zu möglichen
Aussprachefehlern
4. Der nächste Schritt ist dann die empirische Überprüfung anhand
von Sprachdaten

6. Beispiel Türkisch (von U. Hirschfeld/K. Reinke)

Allgemeine Information zum Türkischen
• Türkisch (auch Türkei-Türkisch), zu den Turksprachen gehörend, wird
außer in der Türkei auch auf Nordzypern, im Kosovo und in Rumänien
als Amtssprache gesprochen.
• Das Türkische weist etliche Dialekte auf, von denen der Istanbuler
Dialekt als Grundlage der modernen türkischen Hochsprache gilt und
auch für die Standardaussprache die Basis bildet.

7. Hören wir uns erstmal ein bisschen Türkisch an…

8. Intonation/Sprechmelodie

Türkisch
Deutsch
geringeres Melodieintervall als im
Deutschen (klingt monotoner)
größeres Melodieintervall als im
Türkischen
fallender Verlauf bis zum Ende
terminaler Äußerungen
steigend-fallender Verlauf bis zum
Ende terminaler Äußerungen
keine Lösungstiefe („flache“
Intonation)
Melodiefall bis in Lösungstiefe

9. Intonation/Sprechmelodie

Prognose:
• Keine gravierenden Abweichungen in der Intonation; Fragen werden
auch mit steigender, Aussagen mit fallender Intonation gesprochen
• Lediglich eine etwas monotone Sprechweise ist zu erwarten;
Intonation steigt bzw fällt nicht so stark wie bei deutschen
Muttersprachlern

10. Rhythmus

Türkisch
silbenzählender Rhythmus, d. h.
Deutsch
akzentzählender Rhythmus, d. h.
geringer Kontrast zwischen
akzentuierten und
nichtakzentuierten Silben
großer Kontrast zwischen
akzentuierten und
nichtakzentuierten Silben
keine bzw. geringe Reduktionen
und Assimilationen in
nichtakzentuierten Silben
starke Reduktionen und
Assimilationen in
nichtakzentuierten Silben

11. Rhythmus

Prognose:
• Zu erwarten ist, dass die unbetonten Silben nicht reduziert werden,
eventuell sogar mit Vollvokal ausgesprochen werden

12. Wortakzent

Türkisch
Deutsch
Funktion: Wortakzent nicht distinktiv (nicht Funktion: Wortakzent distinktiv
bedeutungsunterscheidend)
phonetische Mittel: Akzentsilben melodisch phonetische Mittel: Akzentsilben melodisch
hervorgehoben, lauter, deutlicher,
hervorgehoben, lauter, deutlicher,
Akzentvokal gedehnt
Akzentsilbe leicht gedehnt
Akzentposition:
Akzentposition:
bei türkischen Wörtern generell letzte
Silbe, bei Fremdwörtern unterschiedlich
Suffixe, wenn Stammwort
endsilbenakzentuiert
bei Namen erste oder zweite Silbe
in Wortgruppen letzte Silbe des ersten
Wortes
unterschiedlich
Stammsilbe in nicht zusammengesetzten
Wörtern und Namen
einzelne Präfixe und Suffixe
in Komposita und
Verbzusammensetzungen erster Teil
in Wortgruppen letztes akzentuierbares
Wort

13. Wortakzent

Prognose:
• Eventuell häufiger Betonung grammatischer Silben anstelle von
Stammbetonung
• In Wortgruppen eventuell Betonung des ersten statt des letzten
Wortes

14. Silbenstruktur

Türkisch
Deutsch
einfache Konsonant-Vokal vielfältige und komplexe
Struktur
Konsonanten-verbindungen
innerhalb der Silbe
keine Verbindungen von
Konsonanten innerhalb der Silbe Silbenanlaut: bis zu drei
Konsonanten, z. B. sprechen
Silbenauslaut: bis zu fünf
Konsonanten, z. B. (du) schimpfst
Prognose:
Einfügen von Sprossvokalen oder/und Auslassung von
Konsonanten zur Vereinfachung der Silbenstruktur

15. Fokusmarkierung

• Im Deutschen durch Akzentuierung der Fokuskonstituente
• Im Türkischen durch Satzstellung
Prognose: keine Fokusakzentuierung
Diese Prognose ist nicht leicht zu überprüfen, da man gezielt
Sprachdaten mit Fokus elizitieren müsste.

16. Vokale

Türkische Vokale
hoch
i
y
hinten
u
ø
e
vorn
o
a
flach
ungerundet
gerundet
Deutsche Vokale
vorn
zentral
hoch
hinten
i
e
E
I
E
flach
a
ungerundet
gerundet
a
u
U
o
O

17. Vergleich der Vokalsysteme

Türkisch
Deutsch
Vokalsystem mit acht Phonemen weniger Vokalsystem mit 16 Phonemen komplexer
komplex als im Deutschen
als im Türkischen
distinktive Merkmale:
distinktive Merkmale:
Grad der Zungenhebung (hoch –
Grad der Zungenhebung (hoch –
mittelhoch – flach)
mittelhoch – flach)
Richtung der Zungenhebung (vorn – Richtung der Zungenhebung (vorn –
zentral – hinten)
zentral – hinten)
Lippenrundung (gerundet –
Lippenrundung (gerundet –
ungerundet)
ungerundet)
Vokalquantität (lang – kurz)
Vokalqualität (gespannt –
ungespannt)

18. Besonderheiten des Deutschen gegenüber dem Türkischen

• Kombination von Quantität und Qualität (lang + gespannt, kurz +
ungespannt)
• keine Vokalquantitätsveränderung in Akzentposition
• Vokalneueinsatz/Glottisplosiv (bei wort- und silbenanlautenden
Vokalen und Diphthongen)
• Unterscheidung von drei E-Vokalen
• Schwa / / (in nichtakzentuierter Position)

19. Besonderheiten des Türkischen gegenüber dem Deutschen

• Vokalharmonie: Vokale eines Wortes progressiv assimiliert
(agglutinierende Sprache): in einem Wort entweder nur vordere
(Schriftzeichen: <e, i, ö, ü>) oder nur hintere Vokale (Schriftzeichen:
<a, ı, o, u>) ->könnte ins Deutsche übertragen werden
• Quantität nicht distinktiv ->evtl mangelnde Differenzierung von Langund Kurzvokalen; Dehnung von betonten Kurzvokalen
• kein Schwa -> Realisierung als Vollvokal
• kein Vokalneueinsatz/Glottisplosiv -> Verschleifung von Wortgrenzen

20. Konsonanten

21. Besonderheiten des Deutschen gegenüber dem Türkischen

• Spannung (gespannt – ungespannt) distinktiv, Stimmbeteiligung
(stimmhaft, stimmlos) als sekundäres, d. h. als phonetisches
Merkmal, weil Leniskonsonanten sowohl stimmhaft als auch stimmlos
realisiert werden können
• Aspiration der Fortisplosive
• (frikatives) Reibe-R, ggf. auch Zäpfchen-R, R-Vokalisierung
• progressive Assimilation der Stimmbeteiligung (Entstimmlichung)
• Auslautverhärtung in der Schrift nicht ausgewiesen

22. Besonderheiten des Türkischen gegenüber dem Deutschen

• Stimmbeteiligung (stimmhaft – stimmlos) distinktiv, Spannung (fortis – lenis) als
sekundäres/phonetisches Merkmal bei Plosiven und Frikativen
• keine Aspiration der Fortisplosive
• stimmloses [ ] im Wortanlaut
• Zungenspitzen-R, keine R-Vokalisierung
• /h/ nach Vokal als [ç] realisiert
• progressive und regressive Assimilationen bei den Plosiven (je nach
Lautumgebung)
• Auslautverhärtung in der Schrift ausgewiesen
• <ng> wird als [ng] oder [nk] ausgesprochen
• /h/ ist pharyngal
• /l/ wird in direkter Nachbarschaft zu Hinterzungenvokalen velarisiert

23. Aussprache und Schrift

• Die deutschen Buchstaben <ä, q, ß, w, x> kommen im Türkischen
nicht vor.
• Dafür gibt es die Buchstaben <ç, ğ, ı, ş> im deutschen Schriftsystem
nicht.
• Daneben gibt es einige Buchstaben, die in beiden Systemen
vorkommen, aber jeweils einen anderen Laut repräsentieren, z.B.
wird <y> im Türkischen als [j] realisiert, im Deutschen wie das <ü>.

24. Aussprache und Schrift

25. Schrift

• Die türkische Alphabetschrift ist noch recht jung; sie folgt
ausschließlich dem phonematischen Prinzip, d.h. einem Buchstaben
entspricht genau ein Laut und umgekehrt.
• Türkische Lernende empfinden es als ungewöhnlich, einen Laut durch
mehrteilige Grapheme zu verschriftlichen, daher sind Übertragungen
der muttersprachlichen Symbole (Beispiele siehe zwei Folien zurück)
häufig.

26. Hören wir uns nun einen türkischen Lerner an…

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